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DIE ANDEREN GÖTTER

 

Volks- und Stammesbronzen aus Indien

 

 

 

10.9. 1993 - 6.2.1994

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Rautenstrauch-Joest-Museum 
Ubierring 45, 50678 Köln
Tel. 0221-33694-0
Fax 0221-33694-10

E-Mail rjm@rjm.museenkoeln.de 
homepage:Museum  

 

Informationen zur Ausstellung

Das Rautenstrauch-Joest-Museum präsentiert mit der Ausstellung "Die anderen Götter -  Volks‑ und Stammesbronzen aus Indien" eine Kunstgattung, die es zu entdecken gilt. Aus indischen Privatsammlungen wurden rund vierhundert bedeutsame Bronzen aus Mittel-indien für diese Ausstellung ausgewählt. Anhand dieser Auswahl kann der Besucher nach-vollziehen, wie die indischen Bronzegießer religiöse Vorstellungen und Ideen, die oft bis in die vorgeschichtliche Zeit zurückreichen, bildlich umsetzen. Die vielfach abstrakt anmutenden Darstellungen spiegeln die lokalen Traditionen der Mythen und Legenden über Familien‑, Dorf‑ und Stammesgottheiten Dämonen Geister und Ahnen wider.

Anhängerin der Göttin Bijasenmata mit einem tragbaren Schrein

Die Präsentation des Rauenstrauch-Joest- Museums macht deutlich, dass die Zeit für diese Entdeckung reif ist. Die westliche Kunst des 2o.Jahrhunderts hat unser Auge geschult und damit die Voraussetzung  dafür geschaffen, die ästhetische Kraft und künstlerische Originalität dieser in Metall gegossenen Abbilder von Göttern und Göttinnen, Menschen, Tieren und Szenen zu erkennen und schätzen zu lernen.

Bronzen von Gott Narasimha und Shalagrama-Steine

Kennzeichnend für die Volkskunst Indiens sind Darstellungen zahlloser Familiengottheiten.Diese Gottheiten werden täglich in Hausschreinen verehrt, wobei man sie rituell reinigt, ihnen Speisen anbietet und sie mit Blumen schmückt. Am Ort ihrer Herabkbkunft auf die Erde steht ein Tempel oder Schrein, zu dem die Anhänger regelmäßig pilgern. Oft führen sie die Bronzen ihres Familienschreins mit sich, um sie dort mit der Kraft des Gottes aufzuladen. 

 

Die meisten Familiengottheiten waren ursprünglich Regionalgottheiten der Hirten, Wald-bewohner und Bauern. Im Zuge der Hinduisierung Indiens wurden sie ‑ wie der in Maharashtra und Andhra Pradesh so beliebte Gott Khandoba ‑ in das Pantheon der Hindu Götter aufgenommen. Khandoba wurde so zu einer Herabkunft des Gottes Shiva auf die Erde.

Kaum bekannt sind die Gottheiten in den Hausschreinen der Stammesbevölkerung. Ihre Götterbilder werden nicht wie bei der Hindubevölkerung im offenen Schrein aufgestellt. Verschließbare Körbe und Tontöpfe sind ihr Versteck. Hier ruht ihre Kraft, die nur zu besonderen Anlässen und in dringenden Fällen durch den Priester geweckt werden darf.

 

 

 

 

Dargestellt werden die Götter und Ahnen noch in ihrer ursprünglichen Form meist als Stein, der bei jeder Zeremonie mit rotem Sendur bestrichen wird. Dass auf diesen Schreinen auch Abbilder aus Metall erscheinen, ist eine jüngere Entwicklung. Dank der großen Hilfsbereitschaft vieler Stammesangehöriger ist es erstmalig möglich, die fremde Welt der Götter tribaler Gruppen Mittelindiens vorzustellen.  

 

Zahlreiche Reiterdarstellungen der Sammlung konnten dank eingehender Recherchen im Distrikt Bastar in Madhya Pradesh sowohl als eigenständige Gottheiten wie auch als Wächterfiguren von Göttinnen identifiziert werden. 

 

Zu besonderen Anlässen dringt der ‚Wind’ der Göttin in ihre männlichen Anhänger ein, die so zu einer Erscheinungsform der Göttin werden. In diesem Zustand tragen sie Frauenkleider, ihre Worte sind die der Göttin. Die Menschen lassen sich von ihnen wahrsagen und befragen sie beispielsweise nach der Ursache von Krankheiten.

 

Es gibt Bronzefiguren der Maliah-Kondh von Orissa, die als Brautgaben verwendet werden, die Mehrzahl jedoch wird rituell verehrt. In ihrer unerschöpflichen Vielgestaltigkeit gehören die Bronzen der Maliah-Kondh von Orissa zu den eindrucksvollsten Kunstwerken der Ausstellung. Ihre Nähe zum Leben zeigt sich in Details wie dem Schmuck und der Gesichtstatauierung weiblicher Bronzefiguren.   

Ausstellungsplan:

Das Konzept der Ausstellung sieht eine klare Gliederung der überwältigenden Vielfalt indischer Volks- und Stammesbronzen vor.

 

Die ästhetische Qualität der Bronzen erschließt sich gerade auch im Kontext ihres rituellen Gebrauchs, der durch mehrere szenische Installationen verdeutlicht wird.

 

 

 

 

 

 

 

  

Plan der Ausstellung: Dipl.-Arch. Stefan Schmitz 

 

Die dreijährige Forschungsarbeit zum Thema mit insgesamt neun Monaten Feldforschungsaufenthalt in Indien wurde  von der Fritz Thyssen Stiftung Köln finanziert. 

 

 

Ein Projekt der UNESCO Weltdekade für kulturelle Entwicklung.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
 
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